Die Grünen kritisieren die Einrichtung eines dritten Stellvertreterpostens für den Bürgermeister
Welver, 05. November 2025
In der gestrigen konstituierenden Sitzung des Rates wurde gegen die Stimmen unserer Fraktion ein dritter stellvertretender Bürgermeister gewählt. Wir haben die Erhöhung der Anzahl der stellvertretenden Bürgermeister von zwei auf drei klar abgelehnt. Zugleich wurde das Amt des Ortsvorstehers im Zentralort gestrichen; der Bürgermeister soll deren Funktionen und Aufgaben übernehmen. Wir haben diese Doppelentscheidung abgelehnt, weil sie Bürgernähe schwächt, Zuständigkeiten vermischt und Kosten verursacht – ohne erkennbaren Nutzen für die Bürger*innen unserer Gemeinde.
Keine Notwendigkeit: Vergleich mit anderen Kommunen
Welver hat rund 12.000 Einwohner*innen. Zwei Stellvertretungen des hauptamtlichen Bürgermeisters sind für Gemeinden dieser Größe üblich und haben sich bewährt. In keiner vergleichbaren oder auch deutlich größeren Kommune der Umgebung existiert eine dritte Stellvertretung. Der nun geschaffene zusätzliche Posten verursacht jährliche Mehrkosten und bietet keinen erkennbaren Nutzen für die Bürger*innen. Großstädte wie Münster oder Dortmund haben drei Stellvertretungen, Köln als Millionenstadt hat vier. Welver mit drei Stellvertretungen wirkt im Verhältnis überdimensioniert.
Rechtslage ist kritisch
Die Gemeindeordnung NRW unterscheidet klar zwischen den Aufgaben eines Bürgermeisters und den Aufgaben der Ortsvorsteherinnen. Letztere sind in § 39 GO NRW ausdrücklich als bürgernahe Ansprechpersonen für einzelne Ortsteile vorgesehen. Die Idee, dass der Bürgermeister Aufgaben eines Ortsvorstehers übernimmt und gleichzeitig ein dritter Vertreter geschaffen wird, widerspricht der Systematik der Gemeindeordnung und schafft unnötige Interessenkonflikte zwischen Gesamtverantwortung und Ortsteilvertretung.
Hinzu kommt: Die eigene Hauptsatzung der Gemeinde Welver regelt ausdrücklich, dass der Bürgermeister und seine Stellvertreterinnen nicht zu Ortsvorstehern gewählt werden sollen. Und das aus gutem Grund, um klare Zuständigkeiten, Bürgernähe und Gewaltenteilung zu gewährleisten.
Bürgernähe stärken, nicht schwächen
Statt einen zusätzlichen Posten für die Repräsentation zu schaffen, wäre es sachgerecht gewesen, die Ortsvorsteherinnen-Struktur in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten und zu stärken. Dass der größte Ortsteil zukünftig ohne Ortsvorsteher*in auskommen soll, ist aus unserer Sicht weder logisch noch bürgerfreundlich.
Zweifel auch in anderen Fraktionen
Die geheime Abstimmung fiel wie folgt aus: Ja: 20 Stimmen Nein: 6 Stimmen Enthaltungen: 6 Stimmen Neben unseren drei Gegenstimmen gab es also in den anderen Fraktionen ebenfalls Ratsmitglieder, die diesen Schritt nicht mittragen wollten. Das bestätigt, dass diese Entscheidung selbst in den Reihen der Befürworter*innen keineswegs unumstritten ist.
Fazit
Diese Entscheidung ist politisch und organisatorisch nicht überzeugend. Sie ignoriert bewährte Strukturen, schafft rechtliche Fragezeichen und belastet den Haushalt unnötig. Wir werden weiterhin dafür eintreten, die Bürgernähe zu stärken, klare Zuständigkeiten zu wahren und Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen, statt Prestigestellen zu schaffen, die mehr symbolisch als sinnvoll sind und nur den Partei-/Vereinsinteressen dienen.
Für Rückfragen
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Welver
kontakt@gruene-welver.de

Artikel kommentieren